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GermanRetailLab e.V.
 

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12.10.2017

Wissen „just in time“: So lernt man online

GermanRetailLab_Lernen_Digital.jpgvon Rolf Karges

Heute ist überall die Rede von der Digitalisierung aller Bereiche im Unternehmen. Auch die betriebliche Aus- und Weiterbildung im Handel wandelt sich gegenwärtig in einem Tempo, das niemand je für möglich gehalten hat. Ging es früher häufig noch um die richtige Kundenansprache, den Kaufabschluss und die Sortimentskenntnis, kommen heute zusätzliche Anforderungen auch aus der Welt der neuen Technologien. Computergestützte Planungstools für die neue Küche oder die Verschönerung des Wohnzimmers entwickeln sich immer schneller. Sie zeigen dem Kunden, wie die einzelnen Produkt- und Gestaltungsvarianten in seinem Wohnumfeld tatsächlich aussehen würden. Diese Erfahrung setzt bei Kunden neue Maßstäbe und überträgt sich zusehends auch auf andere Produktfelder. Unter anderem lassen sich heute auch Brillenmode und Bekleidung virtuell am eigenen Leib erleben. Der Kunde wird damit zum Teil dieser vorweggenommenen Realität. Computer, Smartphones und Tablet-PC werden deshalb auch in der betrieblichen Bildung künftig eine herausragende Rolle spielen müssen und treten immer häufiger an die Stelle von Papier und Stift, aber auch von Seminarhotels und -räumen. Was genau ändert sich? 

Neue Lehre: So lernt der Handel in Zukunft

Lehren und Lernen wird immer weniger eine geschlossene Veranstaltung sein – weder zeitlich noch räumlich. Lernen auf Vorrat wird abnehmen, Wissen „just in time“ zur Bewältigung aktueller Herausforderungen dagegen zunehmen - selbstgesteuert und selbstorganisiert. Die Quellen sind nicht mehr nur die Vorgesetzten und Trainer, sondern das Wissen der ganzen Branche. Schon heute kann man zu jedem x-beliebigen Thema sowohl wissenschaftliches als auch populistisches Material im Internet finden. Zudem sind das häufig keine toten Quellen mehr, die einmal geschrieben, unveränderlich sind. Ganz im Gegenteil: Sie sind in ständiger Überarbeitung und können von den unterschiedlichsten Menschen jederzeit auf ihre Richtigkeit und Aktualität hin überprüft werden. Themenspezifische Internetforen stellen eine Wissensquelle dar, die auf jede Frage Antworten hat. 

Auch gleichen sich die Rollen von Trainer und Lernenden künftig immer mehr an. Wissen beschaffen und zur Diskussion zu stellen wird künftig von allen Beteiligten möglich gemacht. Die Quellen werden von unterschiedlichster Art sein. Lernen wird nicht mehr nur in Seminarräumen, sondern überall dort stattfinden, wo ein Internetzugang vorhanden ist. Schon heute lernt ein Großteil der Mitarbeiter in den Unternehmen online – und dies noch nicht einmal betrieblich veranlasst, sondern aus eigenem Interesse und aus freien Stücken. Da heutzutage die meisten Arbeitnehmer auf alle möglichen Online-Angebote zurückgreifen können, stellen viele Lieferanten, Bildungsträger und Universitäten ihr Angebot im Internet frei zur Verfügung. Ob diejenigen, die Wissen im Internet anbieten, überhaupt Trainer oder Pädagogen sind, ist schwer zu sagen. Obwohl Bewertungen und Empfehlungen seitens der Nachfrager beweisen, dass sie als Professionals wahrgenommen werden.

Noch nie war es einfacher, Experten aus allen Fachrichtungen zuzuhören oder zuzusehen. Wissen wird künftig aus aller Welt kommen, über alle Fachdisziplinen hinaus reflektiert und auf seine Relevanz überprüft. Trainer und Weiterbildner sind dabei nicht nur die Wissensvermittler – ihre Aufgaben bestehen vielmehr darin, in dem kaum überschaubaren Angebot von Wissen und Möglichkeiten Orientierung zu schaffen. Gute Trainer werden beispielsweise zu Beratern, weil sie sich in dem jeweiligen Bereich gut auskennen und wissen, was wo angeboten und diskutiert wird. Sie selektieren, ordnen, verweisen auf Quellen, prüfen die Relevanz für das Unternehmen und bieten damit einen echten Nutzen für betriebliche Lernwelten.

Über den Autor:Karges Rolf_sw.jpg
Rolf Karges ist Vorstandsmitglied des GermanRetailLab e.V. und seit über 32 Jahren in der Handelsbranche tätig. Er hat fünf Jahre Personalentwicklung bei der Karstadt AG hinter sich. 20 Jahre war er Geschäftsführer der TOP Trainings-, Organisations- und Personalentwicklungsgesellschaft GmbH. Heute sitzt er im Vorstand bei der WEG GmbH & Co. KG, die sich mit ihren Initiativen und Partnern einem wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln widmet – von der Forschung über die Produktion und Verarbeitung bis hin zur Lehre.

Admin2 - 07:14:51 @ AK Omni- + Multichannel und Mobile Strategie | Kommentar hinzufügen

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